2. Regelkonforme Kompetenzchecks?

Nach der Stilllegung der größten Kurse durch das AMS-Wien

(siehe Blog 1.Auslöser und Entwicklung)

wurde monatelang außer halbherzigen Absichtserklärungen nichts mehr in Richtung Kursergänzung getan, als fadenscheinige Pauschalbegründung dafür wurden die Schlagworte Kosten und Sparmaßnahmen bemüht. Dann kam unerwartet der Flüchtlingsstrom und lieferte vor allem medial die Möglichkeit, auf den populären Zug aufzuspringen, mit diesem Thema sämtliche Unzulänglichkeiten zu überdecken, vor allem, da die Gemeinderatswahl in Wien bevorstand, Die Zahlen der Asylberechtigten in Wien wurden erstmals im Juli 2015 extra und bewusst auf der AMS-Wien Seite öffentlich gemacht.

Auszüge aus den AMS-Wien-News: ________________________________________

Wien, 15.07.2015

Mit Ende Mai waren in Österreich 16.000 Asylberechtigte beim AMS als arbeitssuchend vorgemerkt. Zwei Drittel davon in Wien. Die Meisten davon kommen aus Syrien und Afghanistan, wobei vor allem bei Syrern das Ausbildungsniveau teilweise recht hoch ist.

Wien, 04.08.2015

Mit Ende Juli waren in Wien 12.109 Asylberechtigte beim AMS als arbeitsuchend vorgemerkt. Die meisten davon kommen aus Syrien und Afghanistan, wobei vor allem bei Syrern das Ausbildungsniveau teilweise recht hoch ist.

Wien, 01.10.2015

Beim AMS Wien sind derzeit 12.850 Konventionsflüchtlinge bzw. subsidiär Schutzberechtigte als arbeitslos vorgemerkt bzw. in Schulung.

Wien, 02.11.2015

In Wien sind derzeit 13.302 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte beim AMS Wien als arbeitslos bzw. in Schulung vorgemerkt

Wien, 01.12.2015

In Wien sind derzeit 13.745 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte beim AMS Wien als arbeitslos bzw. in Schulung vorgemerkt.

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Gleichzeitig begann das AMS-Wien die Werbetrommel für das Projekt "Kompetenzencheck" in den Muttersprachen der Flüchtlinge zu schlagen.

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Wien, 15.07.2015

Das AMS Wien startet mit Ende August ein Pilotprojekt, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. In einem fünfwöchigen Kurs mit je zehn Wochenstunden in der Gruppe und einem Einzelcoaching soll abgeklärt werden, welche beruflichen Qualifikationen Asylberechtigte mitbringen. Dieser "Kompetenzencheck" wird in den Muttersprachen der Flüchtlinge abgehalten werden. Ziel ist, im Ausland erworbene Qualifikationen für den österreichischen Arbeitsmarkt anwendbar zu machen.

Wien, 04.08.2015

„Das AMS Wien startet daher mit Ende August ein Pilotprojekt, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren“, erklärt AMS-Wien-Chefin Petra Draxl. In einem fünfwöchigen Kurs mit je zehn Wochenstunden in der Gruppe und einem Einzelcoaching soll in den Muttersprachen der Teilnehmerinnen abgeklärt werden, welche beruflichen Qualifikationen Asylberechtigte mitbringen. Ziel ist es, im Ausland erworbene Qualifikationen für den österreichischen Arbeitsmarkt anwendbar zu machen. Ebenso gibt es Projekte mit Lernunterstützung in Muttersprache, um den ECDL basic, einen Basis-Computerführerschein, zu erwerben.

Wien, 01.09.2015

In der vergangenen Woche startete der "Kompetenzcheck", das Pilotprojekt des AMS Wien zur Integration anerkannter Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt für vorerst einmal 1000 Menschen. "Wir checken ab, welche Qualifikationen die Menschen aus ihrer Heimat mitbringen und schauen, wo diese Kenntnisse in Wien gefragt sind", sagt Petra Draxl. Zugleich werden die Menschen in ihrer Muttersprache über Arbeitsmarkt, Jobsuche und Erwerbstätigkeit in Österreich informiert. Noch sind nicht alle Kurse angelaufen. "Aber wir sehen bereits jetzt, dass der Bedarf nach einem solchen Angebot da ist und es sehr gut angenommen wird", sagt Draxl.

Wien, 01.10.2015

"Nun geht es um die raschest mögliche Arbeitsmarktintegration", sagt Draxl. "Wir haben bereits die Ausschreibungsplanung für den Kompetenzcheck 2016 gestartet - er ist der erste Schritt, um möglichst viele Asylberechtigte zu einem Berufsabschluss zu begleiten." Bis zu 9.000 Menschen sollen im kommenden Jahr davon profitieren.

Wien, 01.12.2015

Das Pilotprojekt „Kompetenzcheck“, in dem die mitgebrachten Qualifikationen von Asyl-berechtigten erhoben werden, wird derzeit evaluiert, 2016 sollen bis zu 12.000 Menschen in Wien davon profitieren können.

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Die Zahlen im Überblick

Datum der Bekanntgabe Offizielle Zahl des AMS-Wien

15.07.2015                     11.000

04.08.2015                     12.109

01.10.2015                     12.850

02.11.2015                     13.302

01.12.2015                     13.745

Zitat: „Asylberechtigte beim AMS als arbeitslos bzw. in Schulung vorgemerkt“ (Zitat Ende)

Um beim AMS als arbeitslos vorgemerkt zu sein, müssen bestimmte Voraussetzungen bestehen. Diese Voraussetzungen sind im „Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977 (Fassung vom 16.09.2014)“ genau definiert.

Neben Hauptwohnsitz in Österreich, arbeitswillig, arbeitsfähig, arbeitsberechtigt ist dieser Anspruch auch von bestimmten Vorbeschäftigungszeiten abhängig, welcher auch im Gesetz genau vorgegeben ist.

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Arbeitslosenversicherungsgesetz 1977

Fassung vom 16.09.2014

§14. Anwartschaft

BEI DER ERSTMALIGEN INANSPRUCHNAHME von Arbeitslosengeld ist die Anwartschaft erfüllt, wenn der Arbeitslose in den letzten 24 Monaten vor Geltendmachung des Anspruches (Rahmenfrist) insgesamt 52 Wochen im Inland arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt war. Handelt es sich jedoch um einen Arbeitslosen, der das Arbeitslosengeld vor Vollendung des 25. Lebensjahres beantragt, ist die Anwartschaft auf Arbeitslosengeld auch dann erfüllt, wenn der Arbeitslose in den letzten zwölf Monaten vor Geltendmachung des Anspruches (Rahmenfrist) insgesamt 26 Wochen im Inland arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt war.

BEI JEDER WEITEREN INANSPRUCHNAHME des Arbeitslosengeldes ist die Anwartschaft erfüllt, wenn der Arbeitslose in den letzten 12 Monaten vor Geltendmachung des Anspruches (Rahmenfrist) insgesamt 28 Wochen im Inland arbeitslosenversicherungspflichtig beschäftigt war. Die Anwartschaft ist im Falle einer weiteren Inanspruchnahme auch dann erfüllt, wenn der Arbeitslose die Anwartschaft gemäß § 14 Abs. 1 erster Satz erfüllt.

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Ob diese gesetzliche Bestimmung auf Asylberechtigte zutrifft, die ja eigentlich während des laufenden Asylverfahrens keiner Beschäftigung nachgehen dürfen, bleibt dahingestellt. Es geht hier auch in keiner Weise darum, Asylanten zu verunglimpfen, sondern um die Fragen,

• Ist das AMS-Wien als Institution mit allen Regeln und gesetzlichen Bestimmun-gen überhaupt für diese Kompetenzchecks zuständig bzw. berechtigt, diese durchzuführen?

• Gibt es hier nicht einen Widerspruch zum Thema Gleichbehandlung und Gleichstellung?

Vor allem, wenn man noch bedenkt, dass bisher 1000 Menschen diesen Check bereits absolviert haben und für 2016 geplant wird, weitere 12.000 Asylberechtigten diesem Check zu unterziehen. Das wären dann in Summe 13.000 Menschen, die hier in Kurse geschickt werden, in Kurse, die eigens erfunden wurden. Damit würden alle zur Zeit gemeldeten Asylberechtigte diesen Check durchmachen.

Da es sonst außer Deutschkursen keine aktuellen Angebote des AMS-Wien gibt, hat man den Eindruck, dass das AMS-Wien eine Abteilung des Integrationsministeriums geworden ist.

Und wie sich das auf die Trainer auswirkt, behandle ich im nächsten Blog.

2.2.16 22:53

Letzte Einträge: 1.Auslöser und Entwicklung, 3. Auswirkung auf TrainerInnenkriterien – außer Kraft gesetzt?, 4. Ergebnispressekonferenz – Das große Mysterium!

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