4. Ergebnispressekonferenz – Das große Mysterium!

Im Zuge der Auswertung des Pilotprojektes „Kompetenzcheck für Asylberechtigte in Muttersprache“ wurden sehr viele Zahlen präsentiert und daraus ein Konstrukt gebildet, bei dem man sich schwertut, sich nicht belogen zu fühlen. Zum Verständnis ein kurzer Rückblick:

(Auszug aus den AMS-News vom 16.07.2015)

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Leistungen des AMS für Asylberechtigte

Anforderungen des Expertenpapiers zur Integration von Asylberechtigte an das AMS zu einseitig.

Die Vorschläge des Expertenrates, das Arbeitsmarktservice sollte bei Asylberechtigten flächendeckende Kompetenzehebungen durchführen und die Deutschkenntnisse überprüfen, bezeichnete der Vorstandsvorsitzende des AMS, Dr. Herbert Buchinger als zu einseitig, mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen nicht realisierbar und zudem sei eine zentrale Integrationsvorleistung, nämlich die Vermittlung von grundlegenden Deutschkenntnissen nicht primär Aufgabe des Arbeitsmarktservice. Dazu sind primär das BMEIA, der ÖIF und die Bundesländer gefordert.

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Da bemerkt Herr Dr. Herbert Buchinger, dass die Integration der Flüchtlinge nicht die Aufgabe des AMS sei!!!

Am 12.01.2016, also ein halbes Jahr später, nachdem 1000 „repräsentativ“ vom AMS ausgewählte Asylberechtigte ein Pilotprojekt durchlaufen haben, klingt das ganze schon ganz anders!

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Österreich, Wien, 12.01.2016

AMS investiert 2016 rund 68 Mio Euro in Integrations- maßnahmen

(Dr. Johannes Kopf, Vorstandsmitglied, Arbeitsmarktservice Österreich)

„Österreichweit wird das AMS 2016 rund 68 Mio Euro für Maßnahmen zur Integration Asylberechtigter in den Arbeitsmarkt ausgeben. Davon werden fast 34.000 anerkannte Flüchtlinge, die heuer zu uns kommen, profitieren“, so Kopf.

Fundierte Deutschkenntnisse sind für die Integration in den Arbeits-markt zentral. Das AMS wird daher österreichweit zehntausende Deutschkurse für Asylberechtigte auf Jobsuche zur Verfügung stellen. Damit die beruflichen Kompetenzen der anerkannten Flüchtlinge auch in Zukunft detailliert erfasst werden können, wird das AMS die Zahl der Teilnehmer/innen an Kompetenzchecks 2016 österreichweit auf insgesamt 13.500 Kompetenzchecks erhöhen.

Zudem wird das AMS 2016 Maßnahmen zur Aus- und Weiterbildung (5.700 Kurse) und zur Unterstützung der Eingliederung in den Arbeitsmarkt (2.100 Eingliederungsbeihilfen) umsetzen.

Der ganze Bericht hier:

http://www.ams.at/ueber-ams/medien/ams-oesterreich-news/asylberechtigte-auf-jobsuche  

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„Das Qualifikationsniveau der Asylberechtigten, die am AMS-Kompetenzcheck teilgenommen haben, ist bis auf Angehörige eines Staates deutlich höher als erwartet. Wir haben die Ergebnisse nach Nationalitäten ausgewertet, denn wegen deutlichen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern ist eine Durchschnittwertung nur begrenzt aussagekräftig“, erklärte Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice (AMS) Österreich.

Nach Herkunftsländern betrachtet weisen die Flüchtlinge aus Syrien, dem Iran und Irak die höchste Qualifikation auf.

  • So besitzen 67% der Kompetenzcheck-Teilnehmer/innen aus Syrien (gesamt: 187 Personen),
  • sogar 90% der Teilnehmer/innen aus dem Iran (gesamt 100 Personen)
  • und 73% der Teilnehmer/innen aus dem Irak (gesamt 40 Personen)

eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung, das heißt sie haben entweder Studium, Matura oder eine Berufsausbildung.

Am schlechtesten qualifiziert sind die Kompetenzcheck-Teilnehmer/innen aus Afghanistan (gesamt 230 Personen):

  • Nur 26% von ihnen haben eine über die Pflichtschule hinausgehende Ausbildung,
  • 25% haben die Pflichtschule,
  • 20% die Grundschule besucht und 30% haben keine formale Schulbildung (davon sind interessanterweise nur rund 1/3 Analphabeten).

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Hier stellt sich die Frage, wie die Qualifikation festgestellt wurde! Hatten die Probanden die Qualifikationsnachweise bei sich?

Dann wäre es einfacher gewesen, diese Qualifikationsnachweise wie gewohnt nostrifizieren zu lassen und man hätte sich damit den Kompetenzcheck erspart!

Eher wahrscheinlich: das Ergebnis beruht auf Angaben der TeilnehmerInnen bzw. TrainerInnen.

Damit wäre die Seriosität dieses Ergebnisses anzuzweifeln! Und das hätten die AMS-Berater auch (selbstverständlich mit der notwendigen Unterstützung von Dolmetschern) selber im Beratungsgespräch feststellen und dokumentieren können!

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Integration ist „Langfristprojekt“

(Auszug aus einem Interview „Wien heute“-Studiogespräch mit Chefredakteur Paul Tesarek und Mag. Petra Draxl, Landesgeschäftsführerin des AMS Wien)

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ist zum Teil ein „Langfristprojekt“, sagt die AMS-Wien-Chefin Petra Draxl, nach der Veröffentlichung des „Kompetenzchecks“.

Das Wiener AMS brauche heuer noch „bis zu 30 Millionen Euro“ extra. „Ich gehe davon aus, dass wir zusätzlich um die 100 Personen mehr an Personal benötigen. Momentan haben wir ein Sonderbudget von Wien für 45 Millionen erhalten. Nachdem wir bis dato auch schon über 30 ausgegeben haben - wenn es so kommt - braucht man sicher noch einmal 20, 30 Millionen Euro mehr“, sagt Draxl.

„Das ist ein Projekt von einigen Jahren. Wenn die Menschen sehr rasch erfasst werden können, haben wir positive Beispiele im Zeitraum von zwei Jahren. Das heißt innerhalb von zwei Jahren Deutsch lernen, Hauptschulabschlusskurs machen, begleitende Beratung für eine Lehrausbildung.

Das kann sich aber aus unserer Abschätzung innerhalb von zwei bis fünf Jahre bewegen.“

Das ganze Gespräch hier:

http://wien.orf.at/news/stories/2752063/

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Wir sprechen also in Summe über 98.000.000,-- Euro

(in Zahlen achtundneunzig Millionen Euro), als ungefähren Richtwert für 2016.

Da sich dies aber, laut Frau Draxl, um ein „Langfristprojekt, das kann sich aber aus unserer Abschätzung innerhalb von zwei bis fünf Jahre bewegen“ handelt, wird das sicherlich nach oben gehen.

Das wäre ja auch nicht so schlimm, aber -

Irgendwelche Konzepte, Pläne oder gar ein Budget für die restlichen 490.000 Arbeitslosen in Österreich kann man nirgends finden, diese Gruppe wird nicht einmal erwähnt.

 

Und darüber sollte schleunigst jemand von den Verantwortlichen nachdenken!!!!

2.2.16 23:51

Letzte Einträge: 1.Auslöser und Entwicklung, 2. Regelkonforme Kompetenzchecks?, 3. Auswirkung auf TrainerInnenkriterien – außer Kraft gesetzt?

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